Margarethe-von-Witzleben-Schule

Name in der DDR: 24. Oberschule

Wahrscheinlich hat an diesem Standort die umfassendste Veränderung eines SK68-Standorts stattgefunden – nicht einmal meine übliche Perspektive konnte ich fotografieren. Der ganze Umbau wirkt, als würde er den ursprünglichen Bau von 1973 umarmen und überdachen. Allein die Bauzeit demonstriert, wie aufwendig die Arbeiten waren: 1995 wurden sie begonnen und 2002 konnte die Schule hier einziehen.

Die Schulen an diesem Standort geben einen Einblick in den Umgang mit Sonderpädagogik. Während der DDR war hier die Alfred-Kowalke-Hilfsschule untergebracht. Hilfsschulen waren für bedingt lernfähige Kinder vorgesehen und wer sie nach acht Schuljahren verließ, hatte das Recht auf Berufsausbildung und Arbeitsplatz. Allerdings: Eine Rückführung in die allgemeinbildende Schule war nicht mehr möglich. Und auch wenn es 1989 in Ost-Berlin 19 Hilfsschulen gab: Die Menschen hier waren gesellschaftlich unsichtbar. Im Frühjahr 1990 gab es zum ersten Mal in der Geschichte der DDR eine Demonstration von Menschen mit Behinderung, ihre Parole: „Auch uns gibt es.“

Die Schule an diesem Standort blieb auch nach 1990 eine Förderschule: 1992 erhielt sie den Namen „Schule am Friedrichshain“, 2016/17 erhielt sie als „Temple-Grandin-Schule“ eine Namenspatronin, die als Autistin große wissenschaftliche Leistungen vollbracht hat. Doch da war diese Schule längst an einem anderen Standort untergebracht.

Nach dem erwähnten Umbau des Gebäudes zog nämlich 2002 eine Schule mit einer Geschichte ein, die bis ins Jahr 1907 zurückgeht. 1997 wurde sie nach Margarethe von Witzleben benannt, einer Vorkämpferin der Hörgeschädigten. Entsprechend gibt es hier einen Förderschwerpunkt „Hören“, von Grundschule bis Abitur sind alle Schulformen vertreten. Zur Jubiläumsfeier 2007 war der damalige Umweltminister Sigmar Gabriel anwesend. Und der Tagesspiegel zitierte einen Schüler: „Hier ist es wie im Paradies.“

Adresse

10243 Berlin (Friedrichshain-Kreuzberg / Friedrichshain)
Palisadenstraße 76